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DER
STANDARD
Donnerstag, 11. Oktober 2001, Seite 5
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=3D
"Bin
Laden ist nur ein Vorwand"
Gulbuddin Hekma=
tyar,
Muslimfundamentalist und einer der
wichtigsten Mudjahedinführer Afghanistans =
im
Kampf gegen die Sowjets, der bis zur Machtübernahme
durch die Taliban im Jahre 1996 afghanischer
Premierminister war, gab dem Standard in einer Villa im
Norden Teherans eines seiner raren Interviews.
STANDARD-Korrespondent Amir Loghmany
aus Teheran
Standard: Wie wird der Krieg in
Afghanistan ausgehen?
Hekmatyar: Der Krieg bringt ke=
ine
Lösung. Sie (die Anti-Taliban-Kräfte -
Anm.) werden von Usbekistan aus mithilfe von General Dostum
in Afghanistan einmarschieren.
Sie wollen Mazar-e Sharif erobern und dort eine=
provisorische
Regierung bilden.
STANDARD: Wo stehen Sie?
Hekmatyar: Wir stehen an der S=
eite
des afghanischen Volkes und w=
erden
gegen ausländische Einmischung kämpfen.
STANDARD: Also doch Taliban?
Hekmatyar: Eine Vereinbarung m=
it den
Taliban über eine provisorische Regierung =
ist
zurzeit indiskutabel. Jetzt geht es um die Interessen Afghanistans und nich=
t um
die Interessen einer Gruppe.
&nb=
sp;STANDARD:
Welche Rolle wird Exkönig Zahir Shah f&uum=
l;r
die Zukunft Afghanistans spielen?
Hekmatyar:
Die Zeit für Zahir Shah und seine Clique i=
st abgelaufen.
&nb=
sp;
STANDARD: Aber bei den Gesprächen in Rom hat sich gezeigt, dass eine
große Mehrheit hinter ihm steht.
Hekmatyar:
Wer sagt, dass sie die Mehrheit des afghanischen Volkes repräsentieren?
Wer hat sie gewählt?
Leute, die mit amerikanischen Panzern =
in
Kabul einziehen wollen, haben keine Legitimität. Wo war Zahir Shah,
als wir gegen die Russen kämpften?
Woher nimmt er die Legitimität, im Namen des afghanischen Volkes zu
sprechen?
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sp;
STANDARD: Gibt es Alternativen?
Hekmatyar:
Freie Wahlen in Afghanistan.
STANDARD: Aber in Afghanistan sin=
d doch
zurzeit Wahlen unmöglich!
Hekmatyar: Wieso ist ein=
Krieg
möglich, aber eine Wahl unmöglich? Wenn die Amerikaner ein
Hundertstel von d=
em,
was sie in den Krieg investieren, in den Frieden investiert hätten, da=
nn
hätten wir jetzt Frieden. Dass wir zu Wahlen fähig sind, haben wir
vor dreißig Jahren gezeigt.
STANDARD: So wird es doch n=
ie in
Afghanistan Frieden geben.
Hekmatyar: Das Problem Afghani=
stan
wird durch Krieg nicht gelöst. Das haben die Russen auch probiert. Jet=
zt gibt es eine Vereinbarung zwischen Ru=
ssen
und Amerikanern. Sie wollen in der Region Fuß fassen. Afghanistan ist=
nur ein Vorwand. Es geht um die
Einkreisung Irans.
&nb=
sp;
STANDARD: Die Voraussetzung für Wahlen ist doch Frieden.
Hekmatyar:
Wenn die ausländische Einmischung in Afghanistan aufhört, kehrt a=
uch
der Friede nach
Afghanistan zurück. Damals (nach =
dem
Sturz des KP-Regimes 1992) war man auch mit Wahlen einverstanden,
aber Russen und Amerikaner wussten, da=
ss
die Mudjahedin die Wahl gewinnen würden und
haben das verhindert. Der CIA=
hat
mithilfe der Pakistani neue Gruppen ins Leben gerufen.
&nb=
sp;
STANDARD: Die Taliban?
Hekmatyar:
Ja, die Taliban sind mithilfe der Amerikaner or=
ganisiert
worden, um uns zu vernichten.
&nb=
sp;
STANDARD: Aber Sie haben doch mit den Taliban
sympathisiert?
Hekmatyar:
Diese Vermutung ist falsch. Als wir in Kabul waren und die Regierung bildet=
en
(1992), haben die
Pakistani die Tal=
iban
aktiviert, um uns zu bekämpfen. Sie marschierten über Kandahar in Afghanistan ein. Ein
Jahr lang war ich der Einzige, der geg=
en
sie gekämpft und ihren Vormarsch aufgehalten hat. Sogar (Präsiden=
t)
Rabbani, der damals in Kabul war, hat =
sie
unterstützt. Als meine Männer im Osten gegen die Taliban
kämpften,
bekämpfte uns Rabbani von Kabul a=
us.
&nb=
sp;
STANDARD: Sie waren damals Ministerpräsident in Kabul. Sie haben doch
Kabul den Taliban ausgeliefert?
Hekmatyar:
Ich war nur drei Monate in Kabul und als Kabul fiel, haben die Amerik=
aner
offiziell mitgeteilt, dass
"wir einer Regierung, deren
Ministerpräsident Hekmatyar=
b>
ist, keiner Träne nachweinen".
&nb=
sp;
STANDARD: Wie stark sind die Taliban?
Hekmatyar:
Ihre Stärke ist nicht maßgebend. Die Amerikaner kämpfen jet=
zt
gegen das afghanische Volk. Alle,
die gegen die Russen gekämpft hab=
en,
werden jetzt gegen die Amerikaner kämpfen.
&nb=
sp;
STANDARD: Wird es zur Teilung Afghanistans kommen?
Hekmatyar:
Alles spricht dagegen. Alle Gebiete sind von gemischtrassigen Gruppen bewoh=
nt.
Wenn das möglich wä=
re,
wäre es schon früher geschehen.
&nb=
sp;
STANDARD: Kennen Sie Osama Bin Laden? Haben Sie=
mit
ihm gesprochen?
Hekmatyar:
Ja, öfters. Als wir gegen die Russen kämpften, war er als junger =
Mann
neben uns. Ich habe sehr oft mit ihm gesprochen.
&nb=
sp;
STANDARD: Was ist er für ein Mensch?
Hekmatyar:
Er ist ein gutmütiger, ehrlicher Mann. Übrigens, als er nach
Afghanistan kam, hat er keine Probleme mit Amerika gehabt. Die weitere
Geschichte kennen Sie ja.
&nb=
sp;
STANDARD: Hält sich Bin Laden gegenwärtig noch in Afghanistan auf=
?
Hekmatyar:
Ja.
&nb=
sp; STANDARD:
Die Amerikaner wollen ihn haben. Sie sagen, er ist an den Terroranschlä=
;gen
in den Vereinigten
Staaten beteiligt.
Hekmatyar: Bin Laden ist nur e=
in
Vorwand. Auch wenn man ihn tötet, wird es keinen Frieden geben. Es gib=
t
Tausende wie Bin Laden in Afghanistan,=
in
den USA und auf der ganzen Welt. Amerika hat andere Probleme. Sie haben in =
der ganzen
Welt eine Situation geschaffen, in der Leute wie Bin Laden heranwachsen.
&nb=
sp;
STANDARD: Steckt er hinter den Terroranschlägen in den USA?
Hekmatyar:
Er hat das verneint und für mich gibt es keinen Grund, ihm nicht zu
glauben. Er ist doch in
Afghanistan isoliert. Und außerd=
em
ehrlich und mutig genug, um es, wenn er es war, auch zuzugeben.
&nb=
sp;
STANDARD: Alle sprechen aber von Bin Laden.
Hekmatyar:
Warum setzen die Amerikaner kein neutrales Komitee ein? Haben die Amerikaner
etwas zu
verstecken? Sie wollen Krieg gegen die
Muslime führen und sprechen von einem Kreuzzug. Das hat Bush auch
gesagt.
&nb=
sp;
STANDARD: Er hat sich später korrigiert.
Hekmatyar:
Ja, aber Bush und Berlusconi haben nur das gesagt, was sie privat denken. <=
o:p>
STANDARD: Was ist mit Al-Qa'ida (Bin Ladens
Terrornetz)?
Hekmatyar:
Die Gruppe Al-Qa'ida gibt es nicht. Es gibt Fre=
iwillige,
die in Afghanistan kämpfen. Sie werden nur so genannt.