Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich
Islamische Religionsgemeinde Wien
für Wien, Niederösterreich und Burgenland
1070 Wien, Bernardgasse 5, Tel: 526 31 22
 

Das offizielle Österreich zeigt sich solidarisch mit der muslimischen Bevölkerung
Viele ermutigende Worte engagierter Mitbürger

In diesen Tagen großer Erschütterung fühlen sich Muslime doppelt betroffen. Zu der Aufgabe die entsetzlichen Bilder der verbrecherischen Anschläge zu verarbeiten, gesellt sich die Befürchtung, dass durch pauschale Verurteilungen  und polarisierende Reden die Muslime als Gruppe stigmatisiert werden könnten.

So berichten wir gerne von der Welle der mitfühlenden und von Besonnenheit in einer kritischen Lage zeugenden Stellungnahmen seitens der österreichischen Politik und aus der Bevölkerung.

Mit großer Zustimmung nahmen wir die gestrige Ansprache des Herrn Bundespräsidenten Klestil auf, in der er klare Worte für die Position der österreichischen Muslime fand.

Bei einem für Freitag vormittags einberaumten Gespräch zwischen Herrn Bundeskanzler Schüssel, Frau Vizekanzlerin Riess-Passer, Frau Außenministerin Ferrero-Waldner, Frau Bildungsministerin Gehrer und Repräsentanten der großen Glaubensgemeinschaften wurden konkrete Überlegungen zu einem nachhaltigen Umgang mit der Situation im Sinne des Aufbaus mehr gegenseitigen Verständnisses gemeinsam besprochen. Im Anschluss daran fand auch ein Gespräch mit verschiedenen Botschaftern der EU- Länder statt.

Frau Stadträtin Brauner rief uns gestern eigens an, um einen persönlichen Eindruck der Stimmung zu gewinnen und die Besorgnis der Wiener Stadtregierung um die muslimische Bevölkerung zu übermitteln. Sie betonte, dass man sich jederzeit mit allen Fragen und Anliegen an sie wenden könne.

Der Parteivorsitzende der Grünen Professor van der Bellen meldete sich heute telefonisch zu einem ausführlichen Gespräch mit Präsident Schakfeh. Auch von dieser Seite wurde vollste Unterstützung zugesichert.

Viele Anrufe und Nachrichten dokumentieren das breite Interesse der Bevölkerung, es in Österreich nicht zu einer ungerechtfertigten negativen Stimmung gegen Muslime kommen zu lassen. Die Zivilgesellschaft ist durch einen regen Kommunikationsfluss sehr aktiv. Die Ideen von einer breiteren sachlichen Information seitens der Medien über den Islam, bis hin zu mehr Veranstaltungen zur gegenseitigen Begegnung, geben uns Kraft in einer schwierigen Situation.

In Österreich sind mit der gesetzlichen Anerkennung des Islam und den daraus erwachsenden Möglichkeiten Strukturen geschaffen, die den Muslimen im Entwickeln einer Identität als Muslim und sich mit Österreich identifizierender Bürger entgegenkommen. Dies ist nicht nur modellhaft für Europa, sondern von unschätzbarem Vorteil bei dem jetzt besonders engagiert zu führenden Dialog.

Für all die ermutigenden Worte möchten wir uns im Namen der Muslime Österreichs herzlich bedanken. Sie geben einen Weg vor, wie aus einer Krise doch auch eine Chance erwachsen kann.
 

Prof. Anas Schakfeh                                                          Carla Amina Baghajati
Präsident der                                                                      Medienreferat der
Islamischen Glaubensgemeinschaft                                  Islamischen Religionsgemeinde Wien
 
 

Die Muslime in Österreich nehmen Stellung zu den Anschlägen in den USA

Verurteilung der Terrorakte durch Präsident Schakfeh
In   mehreren   Interviews   betont   Präsident  Schakfeh,  dass  die  Akte
beispiellosen  Terrors,  denen Tausende unbeteiligte, unschuldige und nicht
bewaffnete  Menschen  zum  Opfer gefallen sind, selbstverständlich auch aus
islamischer  Sicht  zu  verurteilen sind. Ein solches Handeln ist durch die
islamische  Theologie  mit  nichts  zu  begründen.  In großer Betroffenheit
gebührt den Opfern der Anschläge und deren Angehörigen volles Mitgefühl.

Ruf nach Gerechtigkeit
Die  Täter  sollen  aufgespürt und ihrer gerechten Strafe zugeführt werden.
Dies  liegt im gemeinsamen Interesse. Gerechtigkeit soll aber nicht mit dem
Ruf nach Vergeltung gleichgesetzt werden. Denn darin liegt die Gefahr, dass
Hass   und   Rachegefühle   Platz   greifen   und  wieder  Unschuldige  die
Leidtragenden  kollektiver  Vergeltungsschläge  würden. Der Islam kennt den
Gedanken   der   Kollektivschuld  nicht.  Pauschale  Vorverurteilungen  und
generalisierende  Schuldzuweisungen  sind abzulehnen. Schuldige sollen nach
einem   ordentlichen   Gerichtsverfahren   und   eindeutiger   Klärung  der
Täterschaft  abgeurteilt  werden.  Staaten dürfen sich nicht der Mittel von
Terroristen  bedienen,  wozu  ein  demokratischer  Rechtsstaat  sich  nicht
hinreißen lassen wird, wie immer zu hoffen ist.

Festhalten  am  Dialog  als  dem  einzig  möglichen  Weg  zur Beilegung von
Konflikten
Die Islamische Glaubensgemeinschaft begrüßt alle Stimmen, die sich in einer
Zeit großer Emotionalität für Besonnenheit aussprechen und im Gegensatz zu
voreiligen Schlüssen auf einen "Kampf der Kulturen" die unbedingte
Notwendigkeit betonen, allein den "Dialog der Kulturen" als Möglichkeit des
friedlichen und gerechten  Umgangs miteinander  zu fördern und zu
intensivieren.

Appell zu einem verantwortungsvollen Sprachgebrauch
Der Umgang mit einer schier unfassbaren Situation und die auch emotionale
Verarbeitung der Vorgänge ist für uns alle nicht leicht zu bewältigen.
Gerade darum ist eine sehr bewusste Wahl der Worte von großer Bedeutung.
Wenn einerseits von einem "Kampf des Guten gegen das Böse" und andererseits
von "dem Islam" als Tathintergrund gesprochen wird,  verdichten sich
schnell Bilder und Assoziationen zu einer gefährlichen und völlig
ungerechtfertigten Sicht der Dinge. Eine sich noch verstärkende
Islamophobie kann ernste Folgen für unser gesellschaftliches Klima haben.

Sorge unter den Muslimen
Mehr und mehr fühlen sich die Muslime in Österreich vor diesem Hintergrund
besorgt. Viele Anrufe in der Glaubensgemeinschaft und Gespräche spiegeln
einerseits die große persönliche Betroffenheit wieder, zum anderen die
Befürchtung, durch eine in der Öffentlichkeit als Folge der Ereignisse und
ihrer medialen Wiedergabe verstärkte Islamfeindlichkeit  auch persönlichen
Anfeindungen ausgesetzt zu werden. Das Anliegen  hier durch klare
Stellungnahmen für Aufklärung zu sorgen ist groß. Dabei wird die
Bereitschaft spürbar eigene Beiträge zu leisten. Viele Muslime suchen das
beratende Gespräch, wie man mit den fragenden Blicken im Alltag oder
anzüglichen Bemerkungen am Arbeitsplatz wie: "Na, was habt ihr da wieder
verbrochen?" am besten umgehen könne.
Einige Drohanrufe oder Beschimpfungen nehmen wir ernst. Andererseits sehen
wir positive Zeichen, denn viele Menschen haben das Bedürfnis ihre
Solidarität auszusprechen.

Nachfrage nach Gelegenheiten zur Begegnung und offenem Gedankenaustausch
In dieser Situation ist es als erfreulich zu bewerten, dass gerade jetzt
das ehrliche Interesse an mehr Hintergrundwissen über den Islam steigt. Wir
empfingen Anrufe von Lehrpersonal, um Termine für Diskussionsrunden in der
Schule zu vereinbaren, eine Künstlerin möchte als Reaktion auf die
Ereignisse ein interkulturelles Programm gestalten und sucht vorher
Kontakt, Menschen wollen einfach ins Gespräch kommen.
Verschiedentlich werden Initiativen im interreligiösen Bereich gesetzt. Am
Freitag, dem 14. September um 15.00 Uhr soll eine dankenswerterweise vom
Ökumenischen Rat der Kirchen angeregte Schweigeminute gehalten werden. Die
Islamische Glaubensgemeinschaft ruft zur Teilnahme auf und unterstützt den
dahinterstehenden Gedanken.
In einem offenen Austausch und der Vermittlung von mehr Wissen übereinander
liegt unsere Chance.
 

                               Anas Schakfeh
                                 Präsident

                           Carla Amina Baghajati
           Medienreferat der Islamischen Religionsgemeinde Wien
      Für Rückfragen: Tel.: 259 54 49 oder 0664/521 50 80,   e-mail:
                            baghajati@surfeu.at
 
 

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Absender: ZIFrauenforschung@gmx.net

Presseerklärung
 

.. wenn jemand einen Menschen tötet, ... so soll es sein, als hätte er die
ganze Menschheit getötet; und wenn jemand einem Menschen das Leben erhält,
so soll es sein, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten.
...
.Qur'an [5:32]

Das Zentrum für islamische Frauenforschung und Frauenförderung verurteilt
die unfassbaren Anschläge in den USA auf das Schärfste. Wir betrachten ein
solches Vorgehen nicht nur als inhuman und ohne Sinn, sondern auch als dem
Islam
zutiefst zuwider. Es wird jetzt allerdings deutlich, dass unser aller
Anstrengungen sich auf die Möglichkeit eines gerechten Zusammenlebens
konzentrieren
müssen. Die Hoffnung liegt auf einer besonnener Reaktion aller. Trauer und
Wut sind mehr als verständlich, jedoch blinde Rache ist nicht geeignet,
weitere
Eskalationen zu vermeiden. Wir drücken hiermit den Angehörigen der Opfer
unser aufrichtiges Mitgefühl aus und werden von unserer Seite aus nicht
nachlassen in unserer Anstrengungen für ein friedliches Zusammenleben
fortzusetzen.

ZIF-
Zentrum für Islamische Frauenforschung und Frauenförderung
Postfach 520362
D-50952 Köln
Tel: ++49 (0)221 3686467
Fax: ++49 (0)221 3686468
mailto: ZIFrauenforschung@gmx.net
 

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Presseerklärung

IGMG verurteilt die Anschlagswelle in den USA

Kerpen, 11.09.2001

IGMG Vorsitzender Erbakan sagte: "Wir sind schockiert über die Anschläge in
den USA. Das Ausmaß der Verwüstungen und des Menschlichen Leids ist
erschreckend. Durch nichts auf der Welt sind diese Taten zu rechtfertigen.
Wir sind zutiefst betroffen, und entsetzt. Wir suchen nach Möglichkeiten
konkreten Beistand zu leisten.

Ich fordere die Presse und Politiker auf, nicht wie etwa beim TWA Absturz
haltlos und pauschal Moslems zu beschuldigen. Die Täter müssen gefasst und
bestraft werden.

Für alle Opfer und Hinterbliebenen der Attentate, unter denen
höchstwahrscheinlich auch viele Moslems sind, werden wir beten."
 
 

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Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) ist erschüttert und
entsetzt
über die Serie der heutigen Terroranschläge in den USA.

Elyas, Vorsitzender des Zentralrates der Muslime in Deutschland (ZMD)
sagte gegenüber islam.de: "Unser tiefstes Mitgefühl gilt den unschuldigen
Opfern und Hinterbliebenen."

Und weiter warnt Elyas: "Wer immer die Hintermänner dieser blutigen Tat
sind,
bei dem Islam können sie keine Rechtfertigung für ihre Tat finden."

In der Erklärung des ZMD heisst es weiter: "Wer sich Terrorismus, Gewalt
und Ermordung unschuldiger Zivilisten als politisches Mittel bedient, kann
sich nicht auf den Islam berufen. Wir beten für eine friedliche Welt, die
frei ist von Gewalt und Terrorismus."
 

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Presseerklärung

IGMG veranstaltet Serie von Gedenk-Gottesdiensten
für die Opfer die Anschläge in den USA

Kerpen, 13.09.2001
 
 

Die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs hat alle Mitgliedsgemeinden
aufgerufen im Anschluss an das Freitagsgebet dieser Woche, Gottesdienste
für die Opfer und Hinterbliebenen der Terroranschläge in den USA zu
veranstalten. Zu den Gedenkgottesdiensten in den Moscheen sind Muslime und
Nicht-Muslime gleichermaßen eingeladen.

Die großen IGMG-Landesverbände in Hamburg, Hannover, Berlin, Dortmund,
Stuttgart, München, Nürnberg und Bremen haben bereits entsprechende Aufrufe
gestartet. Zu spontanen Gedenkgottesdiensten für die Opfer und
Hinterbliebenen ist es heute beim Morgengebet in einer Reihe von
IGMG-Moscheen gekommen.

IGMG Vorsitzender Mehmet Erbakan sagte: "Der Friede in der Welt ist ein
gemeinsames Anliegen aller Religionen, deshalb sollten wir auch gemeinsam
zu
dem einen Gott beten. In dieser schweren Stunde gilt unsere volle
Solidarität dem amerikanischen Volk und den Familien der Opfer."
 

IGMG Vorsitzender Erbakan äußerte sich besorgt über bereits reichlich
stattfindende haltlose und pauschale Beschuldigungen gegenüber Muslimen. Es
wird befürchtet, dass diese Anschläge zur weiteren Anti-Islamischen
Stimmungsmache missbraucht werden.

Iran ruft Moslems zu Ruhe auf

Teheran (dpa) - Iran hat alle Moslems zu Ruhe und Besonnenheit angesichts
der Terroranschläge gegen die USA aufgerufen. Kein Moslem könne glücklich
sein, sagte
Hassan Rowhani, Vorsitzender des Nationalen Sicherheitsrates im staatlichen
Fernsehen. Es sei unverständlich, welches Motiv hinter solchen
schrecklichen Ereignissen stehen könnte. Diese Anschläge seien alarmierend
für die gesamte Welt. Gestern hatte bereits Irans Präsident Mohammed
Chatami sein Entsetzen und Mitgefühl für die Opfer ausgedrückt. dpa ku
Veröffentlicht von RZ-Online am 12. September 2001 13:23
 

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Absender: miyesser@gmx.net

Das IPD Team ist schockiert und von Trauer erfüllt über die Anschläge in
den
Vereinigten Staaten. Eine solche Vorgehensweise ist aus islamischem
Verständnis heraus in keinster Weise religiös begründbar. Dadurch wird
immer
deutlicher, wie notwendig eine adäquate religiöse Erziehung ist, die es
ermöglichen
soll konfliktärmer miteinander zu leben und Probleme gewaltfrei zu lösen.
Alle, die einen falsch verstandenen Islam propagieren, sind gehalten sich
Gedanken über folgenden Qur'anvers zu machen:
... wenn jemand einen Menschen tötet, ... so soll es sein, als hätte er
die ganze Menschheit getötet; und wenn jemand einem Menschen das Leben
erhält,
so soll es sein, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten.
...
.Qur'an [5:32]

und müssen sich fragen lassen, wem die qur'anischen Attribute zustehen.
Wir hoffen, auch im Hinblick auf die Situation in der Bundesrepublik, dass
alle Reaktionen bedacht und ruhig erfolgen werden und niemand kollektive
Schuldverhältnisse, die sowohl dem qur'anischen als auch dem humanistischen
Weltbild fremd sind, heraufbeschwört, sondern wir alle müssen daran
arbeiten, dass
unser Grundverständnis einer pluralistischen Gesellschaft nicht verloren
geht. Den Angehörigen der Opfer gilt unsere tiefe Anteilnahme.
 

IPD- Institut für Internationale Pädagogik und Didaktik
info@ipd-koeln.de
http://www.ipd-koeln.de